Vorbereitung und Durchführung: Prof. Dr. Marianne HEIMBACH-STEINS, Prof. Dr. Saskia WENDEL, Prof. Dr. Stephan GOERTZ

ReferentenInnen: Prof. Dr. Georg ESSEN, Prof. Dr. Volker GERHARDT, Prof. Dr. James KEENAN SJ

1. Das Problem

„Freiheit“ ist ein kultureller, politischer und sozialer Schlüsselbegriff zur Selbstdeutung moderner Gesellschaften. Sie ist Bedingung des Menschseins schlechthin. In ethischer wie in praktisch-politischer Hinsicht kommt der Freiheit fundamentale Bedeutung zu: Als Grund der Möglichkeit moralischer Grundsätze begründet sie die Prinzipien einer Moral- und Rechtsordnung, die der sittlichen Selbstbehauptung der Person entspricht und die Anerkennungsverhältnisses vergesellschafteter Subjekte normiert und orientiert. Freiheit soll Individualität ermöglichen und zur Solidarität anstiften.

Dieses Verständnis der Freiheit ist folgenreich für Religion, Glaube, Theologie und Ethik, insbesondere mit Blick auf den Autonomiebegriff. Denn dieser bestimmt das Verhältnis von Freiheit und Bindung und folglich auch die Verhältnisse von Freiheit und Moral, Freiheit und Macht sowie Freiheit und Institution grundlegend. Der Begriff der Freiheit ist damit auch konstitutiv für die Beziehung von Kirche und Moderne.

Mit der Anerkennung der Religionsfreiheit hat das Konzil sich vom Antimodernismus der Vergangenheit programmatisch verabschiedet. Jedoch besteht nach wie vor Klärungsbedarf, inwieweit damit zugleich die Gewissensfreiheit Anerkennung gefunden hat und wie die Menschenrechte als Freiheitsrechte auch für die Kirche selbst als Maßstab zum Tragen kommen. Die katholische Kirche steht vor der Herausforderung, für den christlichen Glauben in einer Kultur der Freiheit eine glaubwürdige Gestalt zu finden. Das schließt die Aufgabe ein, den Freiheitsprozess im Sinne solidarischer Freiheit kritisch zu begleiten und auf dessen Ambivalenzen zu reagieren, ohne einem freiheitsskeptischen Kulturpessimismus zu verfallen.

2. Konziliare/r Referenztext/e (Impulse, unausgeschöpfte Potentiale, ggf. auch Grenzen …)

Die konziliaren Referenztexte sind die Konstitutionen Dei Verbum, Lumen Gentium, Gaudium et spes und die Erklärungen Nostra aetate und Dignitatis humanae.

3. Forschungsfragen und –aufgaben

„Freiheit“ bildet einen hermeneutischen Schlüssel für die Konzilstexte im Horizont der Auseinandersetzung der Kirche mit der Moderne. Von dort her öffnet sich ein breites Themenspektrum: die Herausforderung einer Ekklesiologie im Horizont neuzeitlicher Freiheitsgeschichte und Überlegungen zu einer (Neu-)Ordnung der Kirche unter Anerkennung des Prinzips der Freiheit; ein freiheitstheoretisches Verständnis von Glaube, Offenbarung und Gnade; die Anerkennung anderer Religionen auch in ihrer Heilsbedeutsamkeit; die vollständige Anerkennung der Religions- und Gewissensfreiheit; die Bestimmung des Verhältnisses von Staat und Kirche und die Selbstverortung der Kirche im Rahmen rechtsstaatlich fundierter und geregelter Liberalität.

Anhänge:
Diese Datei herunterladen (II-Vatikanum-DH.pdf)Dignitatis humanae[Erklärung über die Religionsfreiheit]
Diese Datei herunterladen (II-Vatikanum-DV.pdf)Dei Verbum[Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung]
Diese Datei herunterladen (II-Vatikanum-GS.pdf)Gaudium et spes[Pastorale Konstitution über die Kirche in der Welt von heute]
Diese Datei herunterladen (II-Vatikanum-LG.pdf)Lumen Gentium[Dogmatische Konstitution über die Kirche]
Diese Datei herunterladen (II-Vatikanum-NA.pdf)Nostra aetate[Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen]

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