Vorbereitung und Durchführung: Prof. Dr. Andreas LIENKAMP, Prof. Dr. Georg STEINS

ReferentenInnen: Dr. Julia ENXING, Prof. Dr. Ernst Ulrich v. WEIZSÄCKER, Dr. Gerd WECKWERTH

1. Das Problem

Die forschrittsoptimistische Grundierung der Konzilsära ist seitdem zunehmend fragwürdig geworden und einem Bewusstsein der wachsenden Bedrohung des Ökosystems Erde gewichen. Homo sapiens ist dabei, das Antlitz des Planeten grundlegend zu verändern. Paul Crutzen und Eugene F. Stoermer sprechen deshalb von einem neuen Erdzeitalter: dem „Anthropozän“. Damit bringen sie sowohl die gesteigerte Gefährdung der irdischen Schöpfung durch den Menschen als auch dessen besondere Verantwortung für das Überleben zum Ausdruck.

Klassische Bestände der Theologie in der Protologie, Soteriologie und Eschatologie, der Anthropologie und Ethik, der Ekklesiologie und Pastoral stehen vor einem neuen „Zeichen der Zeit“: Es geht um nichts weniger als um das Überleben unserer Zivilisation und zahlloser Mitgeschöpfe sowie die Bewohnbarkeit der Erde. Was die deutschen Bischöfe hinsichtlich des Klimaschutzes sagen, gilt für die ökologische Krise insgesamt: „Angesichts der Dringlichkeit der Probleme ist die katholische Kirche bisher hinter dem Möglichen und Notwendigen zurückgeblieben. Hinsichtlich der [theologischen] Reflexion und [kirchlichen] Praxis … besteht ein erheblicher Nachholbedarf.“ (DBK 2007, Nr. 59).

2. Konziliare/r Referenztext/e (Impulse, unausgeschöpfte Potentiale, ggf. auch Grenzen …)

Hauptreferenztext ist Gaudium et spes, ein Text, der sich wie kein anderes Konzilsdokument den Themen Schöpfung und Ökologie zuwendet. Aber auch die zweite Kirchenkonstitution, Lumen gentium, nach der die Ekklesia universales Heilssakrament ist und als solches in der Welt wirken soll, sowie die Offenbarungskonstitution Dei Verbum, die die Fülle des biblischen Zeugnisses neu zu entdecken aufgibt, sind wichtige Bezugstexte. Angesichts der Verantwortung der gesamten „Menschheitsfamilie“ sind jedoch auch von einer Relektüre der Dekrete bzw. Erklärungen zu den Laien, zur Ökumene sowie zu den nichtchristlichen Religionen Inspirationen zu erwarten.

3. Forschungsfragen und -aufgaben

Wie kann die ökologische Krise stärker in die Rede von den Zeichen der Zeit einbezogen werden? Was bedeutet die Neubestimmung der Rolle des Menschen für die Konzilshermeneutik? Ist das Zweite Vatikanum wirklich so anthropozentrisch, naturvergessen und fortschrittsoptimistisch, wie es scheint? Was bedeutet die theologische Kategorie „Schöpfung“ im aktuellen wissenschaftlichen Diskurs, welche Plausibilität hat sie und welche Potentiale können mit ihr in die laufenden Debatten eingespielt werden? Was bedeutet angesichts der globalen Herausforderungen die Kategorie der „Heilssakramentalität“ von Kirche? Wie verändert sich Pastoral im Horizont der ökologischen Bedrohung und der Wahrnehmung von Schöpfungsverantwortung? Wer sind die Subjekte einer neuen Schöpfungsspiritualität und Umweltverantwortung? Wie sind Soteriologie, Eschatologie und Apokalyptik vor diesem Hintergrund zu reformulieren? Was leistet das biblische Erbe der Weisheitstheologie für die Neuausrichtung der Ethik und für interreligiöse und interkulturelle Verständigung?

Anhänge:
Diese Datei herunterladen (II-Vatikanum-DV.pdf)Dei Verbum[Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung]
Diese Datei herunterladen (II-Vatikanum-GS.pdf)Gaudium et spes[Pastorale Konstitution über die Kirche in der Welt von heute]
Diese Datei herunterladen (II-Vatikanum-LG.pdf)Lumen Gentium[Dogmatische Konstitution über die Kirche]

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